Foto - Nessler

Gedanken zur Fotografie

   Ein paar Gedanken zur Fotografie

Vorwort

In den folgenden Artikeln denke ich über verschiedene Themen der Fotografie nach,
die mich beschäftigen und ich denke andere Fotografen auch.

Hinter allem was der Fotograf tut steht immer das gleiche Ziel, nämlich seine Bilder.

Diese Bilder möchte er herzeigen und sehen wie sie auf andere wirken.
Die Reaktionen der Bildbetrachter haben natürlich eine Wirkung auf den Fotografen.
Dieses Feedback verändert die Art wie er an seinen Bider herangeht
und somit auch wieder auf die Bilder die er dann macht.
Das hat dann natürlich wider einen Auswirkung
auf das Feedback der Bildbetrachter .....

Das ist ein Kreislauf der im günstigen Fall zu einer nach oben steigende Spirale wird
und zu zunehmender Perfektion führt.
Deshalb ist das erhaltene Feedback und ständiges Lernen so wichtig.

Es gibt nicht nur die technische Art an das Fotografieren heranzugehen.
Natürlich ist die Technik wichtig, denn ohne diese würde kein Bild entstehen.
Die Technik kann jeder erlernen.
Doch irgendwann kommt jeder der ernsthaft fotrografiert zu der Erkenntnis,
dass wenn man die Fotografie nur technisch sieht
ziehmlich schnell an eine Grenze kommt,
die die fotografische Weiterentwicklung stoppt.

Deshalb ist es wichtig seine Sichtweisen zu ändern.
Unterschiedliche Wege der Fotografie zu beschreiten.
Hierdurch werden sich nicht nur die Bilder verändern,
sondern auch der Fotograf selbst.

Deshalb bin ich immer auf der Suche nach neuen Wegen
und versuche mir das beste aus den gefundenen Informationen herauszuziehen,
um es bei meiner Fotografie zu verwenden.
So sind die folgenden Artikel ein Produkt meines Lernens.

Zu dem umfangreichen Themenbereich der  Fotografie gehören die Technik,
das Wissen über die Bildwirkung, bzw. die Bildsprache, etwas Psychologie
und natürlich auch das nötige Wissen über den Bereich den man fotografieren möchte.

Aber auch Herz und Verstand, Intuition, Gefühl
und auch etwas Glück gehören
ebenso zu der Ausrüstung des Fotografen
und spielen oft einen größere Rolle als man denken möchte.



Neu Ziele

Wenn Du ein Ziel hast wirst Du einen Weg finden.
Mit der Zeit findest Du den besten Weg.
Diesen gehst Du dann immer wieder, weil er ausgetreten
und deshalb der leichteste ist.
Die Steine und Äste sind weggeräumt und Brücken gebaut.
Du geniest den Erfolg Deiner Mühen.
Doch Du siehst immer wieder das gleiche und der Weg wird langweilig.

Wenn Du einen anderen Weg wählst, ist dieser mühsam.
Doch Langweilig werden neue Wege nie.

Der Weg ist das Ziel, sagt man immer.
Nein nicht der Weg ist das Wertvolle, auch nicht das Ziel.
Es ist all das was neben dem Weg liegt.
Die Bilder, die Töne, die Vielfalt der Eindrücke und Erfahrungen die man erhält,
wenn man einen Weg geht und sich dabei umschaut.

Natürlich muss man das gehen des Weges beherrschen.
Doch wer hindert uns daran unsere Strategie zu ändern.
Uns umzusehen, die Dinge neben den Wegen zu beachten, Abzweigungen zu finden.
Nur wenn man seine Strategie ändert, kann man andere Wege gehen.
Andere Erfahrungen sammeln.

 Neue Bilder machen, die noch nie einer gesehen hat.


Ein schönes Bild?
Eine Frage die ich schon oft gestellt bekommen habe ist:
"Wieso ist ein Bild schön?"

 Ich denke das ist eine wichtige, aber auch ziemlich komplizierte Sache.
Als erstes stellt sich doch die Frage:
Was bedeutet denn überhaupt "schön"?
Ich denke so kommen wir nicht weiter,
denn jeder empfindet doch Schönheit anders.

Wichtiger ist doch ob das Betrachten eines Bildes in einem etwas bewirkt.
Dass Gefühle entstehen.
Denn das ist es doch das Ziel eines jeden Fotografen.
Hierbei gibt es gravierende Unterschiede.

Manchen Bildern empfindet man als flach und flau,
schaut sich diese nur einige Sekunden lang an.
Andere kann man sehr lange anschauen und sich mit ihnen beschäftigen.
Und dann gibt es die Bilder die einem nicht mehr loslassen,
die man immer wieder anschauen muss.
 Woher kommen diese Unterschiede?

Dies hat wie so vieles, mit unserem Verhalten und Begreifen,
etwas mit unserer menschlichen Entwicklung,
unserer Erziehung und unseren Erfahrungen zu tun.
Also mit etwas was uns zu Teil mitgegeben wurde
und aber auch selbst erworben haben.

Vorgefertigte Schubladen denen wir so ohne Weiteres nicht entkommen können.
Diesen Schubladen entsprechend stecken ins unseren Köpfen Bildhafte Symbole.
Bei einem Baby sind das die großen Augen, der Runde Kopf
und die Körperproportionen, die in uns den Beschützerinstinkt auslösen.
Ein Bild eines lachenden Babys wird von uns allen mit schönen Gefühlen verbunden.
Ein schreiendes Baby erfüllt uns mit Sorge.
Bei nassen Blättern sind es die funkelnden Tropfen die für uns Frische ausstrahlen.
Die Sonne ist ein Sinnbild für Wärme und Leben.
Nach oben verlaufende, sich nähernden Linien sind ein Symbol für Räumlichkeit.
Nebel im düsteren wirkt unheimlich.
Nebel in der Morgensonne erzeugt eher Aufbruchsstimmung.
Es gibt da noch unendliche viele Beispiele die man aufführen könnte.

Ein Bild wird bei der Aufnahme von der dreidimensionalen Szene
zu einem flachen Bild zusammengedrückt
und alle weiteren Sinnesempfindungen gehen verloren.
So wird die Szene zu einem banalen zweidimensionales Gebilde aus farbigen Punkten.
Nur wenn wir es schaffen mit Bildsymbolen einen Kleine Geschichte zu erzählen
und Empfindungen zu wecken, wird das Bild zur Fotografie.

Dabei gibt es unterschiedliche Bildsymbole.
Es gibt komplexe Bildsymbole, wie das oben genannte Beispiel mit dem Baby.
Hinter diesen verbergen sich oft starke Gefühle.

Es gibt aber auch einfachere grafische Bildsymbole die das Auge lenken.
Dies geschieht fast unbemerkt, innerhalb von Bruchteilen von Sekunden,
oft auch wenn das Auge noch nicht scharf gestellt hat.
Das sind Bildsymbole wie Linien, Punkte und Flächen, denen das Auge folgt.
Mit diesen Symbolen kann zum Beispiel Räumlichkeit im Bild erzeugt werden.

Aber auch hier sind schon ansatzweise Gefühle verborgen.
So wirken scharfe Ecken eher als unangenehm.
Runde Formen eher als harmonisch.

Bilder können mit Gedichten verglichen werden.
Die grafischen Symbole wirken hierbei ordnend, wie Zeilen,
oder Schriftzeichen denen das Auge beim Lesen folgt.
Die Buchstaben kann man mit einfachen Symbolen vergleichen,
die sich zu Wörtern und ganzen Sätzen zusammensetzen können.

Doch nur wer Buchstaben und Satzzeichen kennt, kann Wörter und Sätze formen.
Und einige schaffen es dann, mit viel Übung und Talent, schöne Gedichte zu schreiben.
Gedichte die uns anrühren, mit denen wir uns Beschäftigen.

Wenn man lernen will gute Bilder zu machen, muss man zuerst die „Buchstaben" lernen.
Dabei haben wir es eigentlich sehr viel besser als Kinder in der Schule.
Denn diese Buchstaben entsprechen den Symbolen die wir alle schon kennen.
Denn so begreifen wir die Welt.

Das bedeutet wir müssen uns nur selbst beobachten.
Erkunden welche Symbole in unserer Welt,
auf uns wirken und wie sie das tun.
Mit der Zeit wird man diese Symbole,
in seine Bilder einzubauen und anzuordnen wissen.

So jetzt noch einmal:
"Warum ist ein Bild schön?"
Meine Antwort ist:
"Wenn das Auge durch Bildsymbole beschäftigt wird,
die im Betrachter gute bzw. schöne Gefühle wecken".

Es gibt einige Fotografen die den Zusammenhang begriffen haben und verbinden kleine Gedichte mit ihren Bildern.
Bei diesen "Heikuns" genannten Kurzgedichten
werden mit einigen symbolbehafteten Wörtern kurze,
bildbeschreibende Gedichte Formuliert.

 Hier ein paar Links zu diesem Thema:
https://www.youtube.com/watch?v=P2xGyMNukI8
http://www.zooom-in.de/galerie/Haiku---der-fluechtige-Moment-in-der-Natur-463
http://www.haiku-heute.de/


Bild im Bild

Du kennst bestimmt den Effekt von Google Earth.
 
Zuerst sieht man die Erde in voller Pracht, mit den Sternen im Hintergrund. Das wäre, wenn man die Möglichkeit hätte aus diesem Standpunkt ein Bildzu machen, schon ein tolles Bild.

Dann zoomt man weiter hinein und das Bild wird eher uninteressant.
Irgendwann erkennt man wieder Berge und Täler
und das Bild wird wieder interessant.

 So wechseln sich beim Hineinzoomen interessante und uninteressante Bereiche ab.
Das geht natürlich nur bis zur Auflösungsgrenze,
die im Moment bei Satellitenaufnahmen vielleicht bei der Größe eines Menschen liegt.

Doch in Wirklichkeit geht das natürlich noch viel weiter.

Stell Dir mal vor Du könntet aus dieser gezoomten Welt ausbrechen.
All diese  Dinge aus verschiedenen Perspektiven und Richtungen anschauen.
Dann würde Dir eine unendliche Vielfalt von Motiven zur Verfügung stehen.

Doch das ist kein Traum.
Denn das geht in Wirklichkeit und noch viel besser.
Denn genauso ist das auch bei jeder Szene, oder einem Bild das wir betrachten,
auch wenn wir uns nur auf der Erde befinden.

 Der Fotoapparat kann dabei eine große Hilfe sein.
Mache ein Übersichtsbild, am besten mit einer kleinen Brennweite.
Schau Dir das Bild auf dem Display Deines Fotoapparates an.
Überlege welcher Teil des Bildes für Dich am interessantesten ist.
Das ist Dein Ziel, Dein Motiv.

 Gehe langsam auf diesen Bereichen zu.
Beim Näherkommen wirst Du immer wieder interessante Aspekte
Deines Motives sehen können.
Diese fotografierst Du.
Gehst wieder näher hin, fotografierst usw.
Bis Du so nahe dran bist,
dass keine Bilder mehr machbar sind.

Es wird sich eine Vielfalt von Motiven auftun,
die du sonst nie entdeckt hättest.

Was für einen Sinn macht diese Übung?
Durch diese Übung tun wir etwas was wir in der Kindheit noch konnten,
aber als Erwachsene zum großen Teil vergessen haben.
Nämlich scheinbar banale Dinge zu untersuchen und ihr Wesen zu ergründen.


Kontemplative Fotografie

Eine kleine Anleitung
mal anders zu fotografieren.

Miksang = gutes Auge, Kontemplativ = einfühlsam, besinnlich

Worum geht es bei der Kontemplative Fotografie?
Es geht darum im Moment des Fotografierens möglichst unbelastet zu sein.
Damit das innere Ich die Bilder macht und nicht die Außenwelt mit ihren Reizen.

Dazu musst Du die Welt mit ihrem Stress hinter Dir lassen.
Alle Technik und fotografische Strategien die Du Dir angeeignet hast
sollst Du vergessen.
Keine Gedanken an das Vergangene, oder an die Zukunft sollen Dich stören.
Du bist ganz entspannt im Hier und Jetzt.

In diesem Zustand kannst Du Bilder machen
die aus Deinem inneren Ich heraus entstehen und
Dich und auch andere auf besondere Weise berühren.


Vorbereitungen
Wir suchen uns einen angenehmen, ruhigen Ort.
Vielleicht eine Ecke in einem Park,
oder auch einfach nur zu Hause im Wohnzimmer.
Später nach etwas Übung, wenn die Konzentration gefestigt ist
kannst Du auch belebtere Orte aufsuchen.

Die Kamera stellen wir auf Automatik.
Ja Du hast richtig  gelesen, denn nichts soll Dich ablenken.
Also Belichtungsautomatik, Autofokus und feste Brennweite,
auch wenn das Dir seltsam vorkommt.

Vorgehensweise

1.
Augen schließen und geschlossen halten.
Die Konzentration liegt auf der Atmung.

2.
Ruhig Einatmen
Vorstellung: Der Raum vor Dir wird eingeatmet,
fließt über die Brust, in den Bauch.

 3.
Kurz inne halten.
In sich hinein fühlen.
Der Körper fühlt sich anders an.

4.
Ruhig  Ausatmen.
Vorstellung: Der Raum fließt zurück,  
wird wieder ausgeatmet und nimmt alle unguten Gefühle mit.
Diese Übung von 2. Bis 4. so lange durchführen bis man zur Ruhe kommt.

 5.
Finales Einatmen
Die Konzentration liegt auf dem Raum der vor mir liegt.

6.
Ausatmen
Die Augen öffnen, ohne zu fokussieren, der Blick ist weit.
                 
7.
Den stärksten Aufmerksamkeitspunkt fokussieren.

8.
Die Entfernung verringern, herangehen.
Nähe suchen.

 9.
Mit der Kamera grob zielen, ohne durch den Sucher zu schauen

und …..

*Klick*

 -------------

Variationen

Diese Übung kann man natürlich auch ohne Kamera durchführen
Natürlich entfällt dann Schritt 9.

Man kann auch mit dieser Übung Wartezeiten beim Arzt,
in der U-Bahn, oder im Bus sinnvoll nutzen
und somit sein Sehen und Begreifen schulen.
Damit das Ganze nicht irgendwie komisch aussieht,
würde ich eventuell den Punkt 8. wegfallen lassen.

 

Erweiterung der Übung
Eine Möglichkeit diese Übung zu erweitern ist die Aufmerksamkeit
(Punkt 7.) zu verändern.

Die Konzentration kannst Du hierbei auf folgendes legen:
Linien, Muster, oder Strukturen
Oberflächen wie: Metall,  Glanz, Mattigkeit.
Farben wie: Rot, Grün, Blau, Schwarz und Weiß, Grau, oder  Pastell.
Auswirkungen des Lichtes wie: Schatten, oder  Spiegelungen.
Licht:  Lichtverläufe, Grelles Licht, sanftes Licht, oder farbiges Licht.
usw.

Wenn das mit der veränderten Wahrnehmung nicht funktioniert,
weil eben nichts da ist was passt,
nimm einfach etwas anderes auf das Du Dich konzentrierst
und wiederhole die Übung.
Es kostet ja nichts.

Eine andere Möglichkeit ist die Voreinstellung der Kamera variieren.
Verschiedene Blenden, Verschlusszeiten, Brennweiten
usw.

Wichtig ist nur, dass Du diese Einstellungen
und Beschränkungen vor dem Fotografieren vornimmst.
Im Moment des Fotografierens sollst Du möglichst unbelastet sein.
_____

Du wirst sehen es tut gut aus dem Stress der gelenkten
und geplaten Fotografie mal auszubrechen
und es wird Deine Fotografie bereichern.


Na dann, viel Spaß


Links hierzu die Dich interessieren könnten:

http://www.emotionen-erzaehlen.de/miksang1/#tab-schritt-8
https://kwerfeldein.de/2011/07/25/fotografieren-ein-lebensgefuhl/
http://www.fantasieundwirklichkeit.de/fotografien/
http://www.sono-lumine.de/miksang/miksang-wie-ich-drauf-kam/
http://www.emotionen-erzaehlen.de/miksang1/
https://www.pinterest.com/vitrinekast/miksang/
http://andreashurni.ch/aesthetik/
http://blog.sogesehen.ch/2007/11/26/zen-in-der-fotografie-stilles-wahrnehmen/


Warum finde ich keine Motive?

Das ist eine Frage die sich jeder Fotograf von Zeit zu Zeit stellt
und manchmal verzweifeln lässt.

Wieso sprudeln manchmal  die Bildideen geradezu aus einem heraus
und manchmal kann man sich bemühen wie man will,
aber man findet keine ansprechenden Motive?

Diese Frage hat weniger mit dem Fotografieren zu tun,
sondern mehr damit wie man die Welt wahrnimmt
und mit Schubladen.

Das hört sich ein bisschen komisch an,
aber Schubladen spielen hierbei eine wichtige Rolle.
Dazu ist es wichtig zu wissen wie die Wahrnehmung des Menschen funktioniert.

Gehirnforscher werden sich jetzt die Haare raufen.
Doch so habe ich das Thema für mich verstanden.

Das Gehirn ist bestrebt seine Leistung sinnvoll einzuteilen.
Wenn man jede Kleinigkeit bewusst wahrnehmen würde,
könnte unser Gehirn diese Menge von Daten,
die uns ständig überschwemmen nicht verarbeiten.

Deshalb bedienen wir uns eines Tricks.
Alles was wir kennen, bzw. schon einmal erkundet haben,
wird in einen Schublade gepackt. Die Schublade wird beschriftet,
damit wir diese auch wieder finden können.

Aussen auf der Schublade stehen auch Anleitungen
wie wir uns verhalten wollen und
welches Gefühl zu dem auftauchenden Begriff passend ist.

Das bedeutet, wenn ein bestimmter Begriff auftaucht,
schauen wir meist nur aussen auf die Schublade,
in uns kommt ein bestimmtes Gefühl hoch und
wir reagieren entsprechend den Anweisungen
die auf der Schublade stehen ohne nachzudenken.

Dieses verhalten spart natürlich "Rechenleistung".
Doch genau das ist die Falle in die man als Fotograf tappen kann.

So kann es zum Beispiel sein, das einer der in der Südsee aufgewachsen ist
genauso darunter leidet keine  Landschaftsmotive in der Südsee zu finden,
wie jemand der in Deutschland im Schwarzwald aufgewachsen ist
und dort keine Motive mehr findet.

Man kann sich das nur sehr schwer vorstellen.

Doch stell Dir vor Du bringst den einen von den Südsee in den Bayerischen Wald,
oder den deutschen in die Südsee.
Die Umgebung wäre neu und interessant.
Sofort würden die Fotoideen wieder sprudeln.

Doch wie kommt man aus diesem Dilemma heraus.
Die erste Antwort wäre: „Fahr doch in dies Südsee“.

Natürlich würde das funktionieren, auf der ganzen Welt herumzufliegen
und interessante Motive zu suchen.
Manche Fotografen tun dieses und liefern uns berauschende Aufnahmen,
z.B. von der Südsee.
Doch für uns normalbetuchten ist das im besten Fall im Urlaub möglich.

Aber die Motive sind doch da.
Direkt vor unserer Nase.
Man muss sie nur wieder sehen und erkunden lernen. 

Also wie macht man das?
Achte darauf wie Du die Dinge siehst.
Lerne aus Deinem eigenen Sehverhalten.
Andere werden ähnlich sehen, Bilder ähnlich interpretieren.

Wenn Du ein Bild ansiehst, oder eine Szene in der Du Dich befindest,
wirst Du als erstes einen reduzierten grafischen Bildeindruck erhalten.
Linien und Flächen erregen deine Aufmerksamkeit und
lenken Dein Auge auf interessante Bereiche.
Dann wirst Du Farben und Helligkeiten erkennen.
Dies alles passiert in Bruchteilen einer Sekunde.
Das ist ein erlerntes aber zum großen Teil auch ererbtes Sehverhalten.

Die Steinzeit lässt grüßen.
In dieser Zeit ging es darum Feinde schnell zu erkennen
und Nahrung sicher zu finden.
Also ums überleben.

Das ist zum Beispiel der Grund warum z.B.
zwei eng zusammenliegende Punkte
unsere Aufmerksamkeit erregen.
Denn es könnten Augen sein.

Augen sind sehr wichtig,
denn diese könnten zu einem Feind,
oder Raubtier gehören,
aber auch zu einem Weibchen,
oder einem Tier das als Futter dienen könnte.

In einer bekannten Umgebung kannst Du
ohne das Gehirn anzustrengen
auf Deine abgespeicherten Erfahrungen,
auf die Schubladen zurückgreifen und reagieren.
Also bleibt nichts mehr übrig was interessant genug wäre zu erkunden,
oder fotografiert zu werden.

Aber es geht auch anders.

Der Trick hierbei ist auch bekanntes, 
vermeintlich uninteressantes so zu erkunden,
als ob es neu für Dich wäre.
Also die Schubladen wieder zu öffnen.

Da jedoch dieses Erkunden normaler Weise unbewusst abläuft,
ist uns nicht geläufig Dinge die schon in einer Schublade gelandet sind
neu zu erkunden.

Also wie funktioniert  das Erkunden eines Dingens das man schon kennt?
Als erstes muss man sich ein Dingens aussuchen, das man erkunden möchte.
Für den Anfang ist es erst einmal egal was das ist.
Aber Du wirst erkennen, dass es ist gar nicht so einfach ist
etwas zufällig auszuwählen.
Unser Gehirn will das einfach nicht zulassen.
Aber jetzt wollen wir uns anders verhalten. 

Deshalb lass einfach mal die Schubladen gesteuerte Auswahl weg.
Egal wo Du gerade bist, schließe die Augen (bitte nicht beim Autofahren).
Warte einige Sekunden ab, aktiviere alle Deinen Sinne außer eben das sehen.
Höre, fühle, rieche dabei was um dich geschieht.
Dann öffne deine Augen.

Das erste was Deine Aufmerksamkeit erregt ist es, das Dingens.
Es ist das was Du suchst
Dieses Dinges kann noch so banal sein
Lass Dich nicht ablenken, nimm es und untersuche es.

Nähere Dich dem Dingens so wie es ein Kind tun würde.
Beachte die Größe, die Form, die Farbe.
Wie sieht es aus einer anderen Richtung aus?
Schaue es von oben und von unten an.
Wie beeinflusst das Licht das aussehen?
Gibt es Schatten, oder Glanzlichter?

Und wenn Du dann Deinen Fotoapparat zur Hand nimmst,
wirst Du wieder Bilder Finden.

Und denke mal darüber nach ob unscharfe,
unter- oder überbelichtete Bilder
wirklich gelöscht werden müssen.

Oder entsprechen diese Bilder nicht viel mehr unserem Wesen
als glatte, scharfe, in mittleres Grau getauchten Abbildungen.
Lass es zu, es wird Zeit die Schubladen zu verlassen.

Bei dieser Übung kann der Fotoapparat einen Hilfe sein, muss aber nicht.
Das Ganze geht auch ganz ohne, jederzeit und überall.



 Warum fotografiere ich?

Das ist eine Frage die sich jeder ernsthafte Fotograf schon einmal gestellt hat.
Bei der Vielzahl der Bilder die heutzutage gemacht werden,
ist diese Frage nicht unberechtigt.
Ist mein Bild denn nicht nur noch eins mehr in dem riesigen See von Bildern?
Ist es deshalb nicht sinnlos diesem See noch weitere Bilder hinzuzufügen,
oder kann man diese nicht einfacher aus dem Internet herunterladen,
die vielleicht auch noch viel besser sind als die eigenen Bilder?

Diese Gedanken kann einen Fotografen in eine Krise führen,
die ihn dazu bringt das Fotografieren aufzugeben.
Hierzu möchte ich schreiben wie ich an dieses Thema herangehe
und wie ich dieses Problem für mich gelöst habe.

Bei mir gibt es einen Art Motivklingel.
Natürlich klingelt bei mir nichts.
In Wirklichkeit ist es lediglich mein gewecktes Interesse,
ein Gefühl für eine für mich interessanten Sache,
oder einer Person,
oder auch nur an einem Aspekt dieser,
wie die Farbe, die Form,
ein Gesichtsausdruck, das Licht usw.

Daraufhin versuche ich mich dem Motiv zu nähern.
Das wird natürlich, in den meisten Fällen, zuerst räumlich geschehen,
in dem ich mich dem Motiv zuwende.

Das wichtigere ist  jedoch in einer fotografischen Annäherung,
das Motiv zu erforschen.
Herauszufinden wie ich diese, für mich interessanten Aspekte,
möglichst gut darstellen kann.
Unter welcher Perspektive diese am besten zur Geltung kommen.
Wie wirkt sich das Licht auf mein Motiv aus?
Wie bildet sich der Schatten?
Steht das Motiv mit anderen in Beziehung?
usw.
 

Bei der Beschäftigung mit dem Motiv finde ich in der Regel
noch viele andere interessante Sichtweisen,
die sich lohnen dargestellt zu werden.
Diese Sichtweisen hätte ich
ohne die Beschäftigung mit dem Motiv nie erhalten.
Hierbei mache ich einige Bilder,
die ich mir im Kameradisplay anschaue und beurteile.
Bei der nächsten Aufnahme versuche ich die Darstellung dieser,
für mich interessanten Aspekte, zu optimieren.
So bekomme ich eine Reihe von Bildern,
von denen ich in der Regel kein einziges lösche.
Zu Hause am PC werden die Bilder chronologisch gespeichert.
 
Danach suche ich die Bilder aus die mir am vielversprechendsten erscheinen
und optimiere diese.
Hierbei kommt es zu einem Lernvorgang und die Bilder verbessern sich stetig.
Auch vornehmlich dokumentarische Bilder verbessern sich
und werden ausdrucksstärker.
Dieser Lernvorgang bringt einem nicht nur dazu bessere Bilder zu machen,
sondern verändert auch die Art wie man die Welt um sich herum wahrnimmt.
Man erkennt, dass auch banale Dinge schön sein können,
oder meist als schön angesehene auch hässlich daherkommen können.
Zusammenhänge werden deutlicher.

Kurz und knapp.
Man lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen.
 
Für mich steht in erster Linie das Interesse.
Ohne Interesse an etwas kann man seine Arbeit nur schlecht verrichten.
Das ist nicht nur beim Fotografieren so.
Deshalb ist es hilfreich neugierig zu sein.
Die Dinge dieser Welt vorurteilsfrei wie ein Kind zu erforschen.
Der Fotoapparat ist hierbei nur ein Hilfsmittel,
um diesen Forschungsweg darzustellen.
Das Bild ein willkommenes Abfallprodukt auf diesem Weg.

Also warum fotografiere ich?
Um meine Wahrnehmung zu schulen.
Die Welt mit anderen Augen zu sehen.
Dadurch andere, individuell bessere Bilder zu erhalten.
Wenn ich meine Bilder chronologisch archiviere,
werde ich mit der Zeit obendrauf noch ein fotografisches Tagebuch erhalten

 Natürlich auch einfach auch weil es Spaß macht.

 Ich denke das sind Gründe genug um dieses schöne Hobby weiter zu verfolgen.


 
Für wen fotografiere ich?

Bei einem Berufsfotografen ist die Sache klar.
Für den Kunden.
Dann muss man natürlich dessen Wünsch erfüllen.
Doch wie ist es bei einem Hobbyfotografen?
Um seine Bilder anderen zu zeigen und ein Lob zu erhalten
Um etwas zu dokumentieren, wie zum Beispiel das Aufwachsen seiner Kinder.
Für mich weil ich Spaß an meinen Bildern und am Fotografieren habe
Oder alles zusammen, oder von allem ein bisschen etwas.

Jetzt stell Dir mal vor, allen anderen würden Deine Bilder gefallen, nur Dir selbst nicht.
Dann hätte der Spaß bald ein Ende.

Große Fotografen sind Ihren Weg gegangen, ohne sich allzusehr zu verbiegen.
Nur so kommt man zu seinem eigenen Stil.
Das ist wichtiger als man denkt.


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